Selbstzweifel in der Hundeerziehung
Leben mit Hund

Selbstzweifel in der Hundeerziehung

Schon bevor mein erster Hund – Brooke – bei mir einzog, plagten mich immer wieder Selbstzweifel. Würde ich einem Hütehund gerecht werden? Werde ich meinem Welpen genug Zeit und Aufmerksamkeit schenken? Was darf ich überhaupt und was nicht?

Unsere persönliche Geschichte

Gerade am Anfang war die Freude über meinen kleinen Seelenhund viel größer, sodass ich die Selbstzweifel gut in eine Ecke kehren konnte. Dann kommt man als firsch gebackenes Hundefrauchen mit seinem 10 Wochen alten Welpen das erste Mal in die Hundeschule, ganz stolz und motiviert. Und das erste was man hört: „Oh… Ein Aussie. Na da hast Du Dir aber was vorgenommen.“ (Selbstverständlich in einem ziemlich abwertenden Tonfall).

Doch mein kleiner Streberhund machte mich stolz, auch wenn sie natürlich ihre Eigenheiten hat und mich immer wieder auf die Palme bringt. Irgendwann zog unser kleiner Wirbelwind – Ivy – ein. Für mich war eine perfekte Welt geschaffen.

Selbstzweifel kamen in den vergangenen 5 Jahren als Hundebesitzerin immer wieder hoch. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob ich es richtig mache. Ob meine Hunde bei mir glücklich sind. Ob ich ihnen das perfekte Hundeleben bieten kann. Doch die Selbstzweifel hielten sich in Grenzen. Bis es zu dem Beißvorfall vor knapp einem Jahr kam.

An diesem Punkt brach für mich meine Welt zusammen. Ich hatte etwas falsch gemacht. Ich hatte – für mich persönlich – gnadenlos versagt. Mit jedem Knurren gegeneinander könnte ich mich heute noch weinend in eine Ecke setzen.

Selbstzweifel in der Hundeerziehung

Souveränität und Konsequenz

Heute bin ich aber auch der Überzeugung, dass diese großen Selbstzweifel – gerade kurz nach der Beißerei – für noch viel größere Probleme gesorgt haben. Denn ich strahlte einfach null Souveränität mehr aus.

Ich habe mir viel von anderen Menschen rein reden lassen. Sogar mit dem Gedanken gespielt, einen oder sogar beide Hunde abzugeben, weil es mir immer und immer wieder gesagt wurde. Und zwar von Leuten, die uns und unsere ganze Geschichte gar nicht wirklich kannten.

So war ich nicht nur absolut inkonsequenz, sondern änderte gefühlt täglich das Verhalten gegenüber den Hunden um irgendwie mit biegen und brechen alles wieder rückgängig zu machen.

Der Lieblingszweibeiner riss mich zum Glück irgendwann aus diesem Verhalten raus. Ich lernte zwar noch einige neue Hundetrainer kennen, blieb aber dann bei der, wo mein Bauchgefühl auch voll dahinter stand.

Der Abschied vom Perfektionismus

Vom Perfektionist in Sachen Hundeerziehung habe ich mich glücklicherweise realtiv schnell gelöst. Aber ich kenne viele Menschen – und vielleicht gehörst auch Du dazu – die wirklich alles perfekt machen möchten.

Und vielleicht kennst auch Du dieses Schamgefühl, wenn Dein Hund am Hundeplatz Blödsinn macht und Du Dich fragst, was wohl alle Anderen jetzt denken werden. Befrei Dich davon. Und zwar möglichst schnell. Denn fehlerfrei ist kein Hundebesitzer oder Hund.

Selbstzweifel in der Hundeerziehung

Was ist DIR wichtig?

Viel wichtiger ist doch die Frage, was Dir wichtig ist. Muss der Hund die verschiedensten Tricks können oder soll er einfach nur ein entspannter Begleiter durch den Alltag sein? Darf er über eine Wiese flitzen oder soll er auf dem Weg bleiben?

Ein Hund braucht natürlich eine konsequente Erziehung und seine Grenzen. Aber setzen kannst Du diese selbst. Natürlich solltest Du auch immer Rücksicht auf Deine Mitmenschen, andere Tiere und die Natur nehmen, aber das versteht sich ja hoffentlich von selbst.

Sicherlich ist es okay im Laufe der Zeit auch mal wieder Dinge zu hinterfragen. Aber wenn Dein Hund sein Trockenfutter liebt, es gut verträgt und kerngesund ist – wieso solltest Du dann die wildesten Fütterungsmethoden auf Teufel komm raus ausprobieren?

Zeit

Der Wohl härteste Punkt für mich ist die Zeit. Gerade solch schwerwiegende Ereignisse wie eine Beißerei brauchen ewig, wenn sie denn überhaupt wieder ganz aus dem Hundekopf verschwinden. Das hat auch nichts damit zu tun, dass Du etwas falsch machst. Die Hundeerziehung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Doch wenn Du ihn meisterst, dann werden Du und Dein Hund einem großartigen Team.

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Alina ist das Frauchen von den beiden Australian Shepherd Mädels Brooke und Ivy. Auf dem Hundeblog EquiCani berichtet sie über ihr Leben und den Alltag mit Hund. Ihre Kreativität lebt sie neben dem Schreiben auch vorallem in der Tierfotografie und dem Herstellen von individuellem Hundezubehör aus.

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